Europabüro in Sögel bringt Broschüre für ausländische Arbeiter heraus – Fünf Sprachen – ein Ziel

Foto: Marion Lammers, Ems-Zeitung; vlks. Hans-Hermann Hunfeld, Stefanie Schuchart, Joanna Bucur-Grochocka, Lene Kurka, Beata Nagy, Cornelia Willigmann-Kassner, Günter Wigbers

Das Kolping-Europabüro in Sögel hat eine mehrsprachige Broschüre entwickelt, die ausländische Arbeitnehmer über Rechte und Pflichten im Alltag und Arbeitsleben informieren soll. Wo und wie muss ich mich anmelden, wenn ich in einer Gemeinde wohnen möchte? Welche Versicherungen muss ich abschließen? Wie richte ich ein Bankkonto ein? Mit Fragen wie diesen muss sich ein Werkvertragsarbeiter auseinandersetzen, der alleine oder mit seiner Familie nach Deutschland kommt um hier zu arbeiten.

Regelungen der Arbeit und des Alltags

Um ausländischen Arbeitnehmern den Zugang zu allen wichtigen Informationen rund um die Regelung der Arbeit und des Alltags zu ermöglichen, entwickelten die Mitarbeiter des Kolping-Europabüros in Sögel eine mehrsprachige Broschüre, die Ratsuchenden vor Ort an den entsprechenden Stellen an die Hand gegeben werden soll. Auf den ersten Seiten werden in kurzer Form viele wichtigen Informationen zur Organisation des alltäglichen Lebens aufgelistet und auf den Folgeseiten in verschiedenen Sprachen übersetzt dargestellt. Einzelne Schlagworte wurden dabei hervorgehoben, um auf die jeweiligen Probleme aufmerksam zu machen. Auf dem Deckblatt wird in fünf Übersetzungen auf die Sprechstunden des Europabüros in der Hümmlinggemeinde hingewiesen. Die Broschüre gibt es in englischer, russischer, polnischer, rumänischer und ungarischer Sprache. Erstellt wurde diese von Stefanie Schuchart, Beata Nagy und Joanna Bucur-Grochocka, allesamt Mitarbeiterinnen im Kolping-Europabüro und zuständig für die Arbeitnehmer-Migrationsberatung.

Erfahrungen vom Schlachthof

Sehr hilfreich für die Umsetzung der Broschüre seien die Erfahrungen von Nagy und Bucur-Grochocka als ehemaligen Mitarbeiterinnen am Sögeler Schlachthof Weidemark gewesen. „Beide kennen die Abläufe im Betrieb. Bestimmte Probleme tauchen immer wieder auf“, erklärte Hans-Hermann Hunfeld, Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerks im Diözesanverband Osnabrück bei der Vorstellung der Broschüre. Auch aus diesem Grund wurde im Eingangsbereich des Europabüros eine Tafel eingerichtet mit einigen wiederkehrenden Fragen und Antworten in unterschiedlichen Sprachen, die Sachverhalte des alltäglichen Lebens erklärt. Mit der Broschüre wurde die Idee der Tafel weiterentwickelt und kann nun den Ratsuchenden an verschiedenen Stellen in der Samtgemeinde an die Hand gegeben werden. 

2013 ins Leben gerufen

Das Kolping-Europabüro in Sögel wurde im November 2013 ins Leben gerufen als Folge von Missständen bei der Unterbringung und Entlohnung von Werkvertragsarbeitern, die vor allem aus Osteuropa nach Sögel und in die nähere Umgebung kamen. „In den Jahren zwischen 2010 und 2012 kamen viele Arbeitsmigranten mit wenigen bis gar keinen Sprachkenntnissen in einen ihnen völlig fremden Kulturkreis“, erklärte Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers im Gespräch. Bis auf den Arbeitgeber habe es zum damaligen Zeitpunkt keinen Ansprechpartner für diese Mitarbeiter gegeben. Aus diesem Grund sollte eine Anlaufstelle geschaffen werden, an die sich Werkvertragsarbeiter mit allen Anliegen, Problemen und Sorgen wenden konnten, so Wigbers weiter. Mit dem Fleischkonzern Tönnies, zu dem auch der Schlachthof Weidemark gehört, sowie den Subunternehmern wurde ein „Verhaltenskodex“ beschlossen. 

Fünf Euro für jeden Mitarbeiter

Dazu zählen Zertifizierungsrichtlinien, die die Größe der für die Werkvertragsarbeiter angemieteten Wohnungen regeln sowie die Qualität der sanitären Einrichtungen sichern, erklärte die Juristin Cornelia Willigmann-Kassner. Weiterhin zahlen die Unternehmen pro Mitarbeiter pro Monat fünf Euro an die Samtgemeinde, um die Arbeit des Europabüros zu finanzieren. Um eventuell vorhandene Probleme zu klären, finden regelmäßige Treffen der Samtgemeinde mit den Unternehmen am runden Tisch statt.Geschaffen wurde so eine neutrale Beratungsstelle außerhalb des Rathauses, die Werkvertragsarbeitern mit einem niedrigschwelligen Angebot zur Seite steht. Wichtig sei vor allem die zentrale Lage, da viele Ratsuchende mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs seien. Auch das Angebot von ständigen Beratungsmöglichkeiten mit festen Zeiten sei von großer Bedeutung. „Derzeit liegt die Anzahl der Kundenkontakte bei rund 150 Kontakten im Monat“ berichtet Hunfeld. Dabei kommen die Ratsuchenden nicht nur vom Hümmling, sondern auch aus den benachbarten Landkreisen. „Dies zeigt die Einzigartigkeit der Beratungsstelle.“ Die Dienstleistungen der Mitarbeiter seien auch extern gefragt, wenn es um Elterngespräche in der Kita oder in der Schule gehe oder für die Übersetzung eines Arzt-Patienten-Gesprächs. „Wir haben nicht geglaubt, dass es eine Daueraufgabe werden wird“, so Hunfeld.

Marion Lammers, Ems-Zeitung 29.12.19; Online Ausgabe