Dipl.-Päd. Dipl.-Theol. Dr. Christoph Hutter sprach über das Thema „Trauma bei geflüchteten Kindern und Jugendlichen

interaktive Übung zur Veranschaulichung

Im Kolping Bildungshaus Salzbergen fand ein Fachtag zum Thema Trauma mit dem Leiter des Psychologischen Beratungszentrums für Eltern, Kinder und Jugendliche; Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Lingen (Ems), Dipl.-Päd. Dipl.-Theol. Dr. Christoph Hutter, statt. Initiator war das Kolping Bildungswerk, das im Emsland und der Grafschaft Bentheim als freier Träger der Jugendhilfe sowie in der Beratung von Geflüchteten tätig ist. Insgesamt nahmen 18 pädagogische Fachkräfte aus den Salzbergener Grundschulen und Kindertagesstätten sowie der Sozialarbeit an der Veranstaltung teil, weil sie im Alltag mit traumatisierten Menschen zu tun haben. Auf anschauliche und auch interaktive Art und Weise vermittelte Dr. Hutter Grundlagen zum Thema Traumatisierung und Umgang mit Betroffenen. Gravierend sind Traumatisierungen vor allem deshalb, weil sie sich nicht nur auf die Körperfunktionen und die Psyche eines Menschen auswirken. Auch Verhaltensauffälligkeiten können Auslöser einer Traumatisierung sein. Von außen wird nicht immer erkannt, dass eine Traumatisierung vorliegt.Der promovierte Theologe und Pädagoge erklärte die Traumatisierung bei einem Menschen wie folgt:  „Bei Gefahr versucht der Mensch zu überleben, indem er entweder kämpft, oder wenn das nicht geht, der Situation entflieht. Ist in einer speziellen Situation weder Kampf noch Flucht möglich, hat das Gehirn ein Funktionsproblem. Es „schaltet“ sich kurzzeitig „ab“, wodurch der Mensch erstarrt. Der Betroffene ist in dieser Situation jedoch nicht bewusstlos, da alle vorhandenen Sinne auf Empfang gestellt und der Mensch deshalb weiterhin alle sich abspielenden Details mitbekommt. Die Erlebnisse werden jedoch fragmentiert, d.h. nicht zusammenhängend sowie ohne Verknüpfung zum Sprachzentrum im Gehirn abgelegt. Aus diesem Grund stecken die Eindrücke fest, das Erlebte kann nicht vom Gehirn verarbeitet werden, wie es bei normalen Erinnerungen der Fall sei.“

Sollten Erzieher oder Pädagogen den Eindruck haben, dass sie es mit einem traumatisierten Menschen zu tun haben, sollten sie den betroffenen Menschen zu einem speziell ausgebildeten Traumatherapeuten vermitteln. Für die pädagogischen Fachkräfte ist es nach Ansicht von Dr. Hutter wichtig, nicht aus Eigeninitiative über das mögliche Trauma zu sprechen, sondern den Fokus auf die Stärken und Perspektiven des Betroffenen zu richten. Im Rahmen einer kleinen Übung sollte das Zusammenspiel von Körper, Psyche und Sozialverhalten verdeutlicht werden.

Bundestagsabgeordneter Albert Stegemann und Landtagsabgeordneter Reinhold Hilbers zu Besuch

von lks: Reinhold Hilbers, Albert Stegemann, Lene Kurka, Wilfried Rippeda, Hans-Hermann Hunfeld

10.000 Euro aus dem „Bundesprogramm Ländliche Entwicklung“ (BULE) für Integrationsprojekt

Der Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann informierte sich über die aktuellen Aktivitäten des Kolping Bildungswerkes. Im Kolping-Bildungshaus-Salzbergen sprach er mit Kolping Bildungswerk Vorstand und MdL Reinhold Hilbers, dem Kolping Bildungswerk Vorstandsvorsitzenden Wilfried Ripperda, Sozialpädagogin Lene Kurka und Geschäftsführer Hans-Hermann Hunfeld. Der aktuelle Anlass war die Förderung in Höhe von 10.000 Euro aus dem „Bundesprogramm Ländliche Entwicklung“ (BULE).

Die Kolping Bildungswerk-Mitarbeiterin Lene Kurka erklärte, dass das Ziel des Projektes in Sögel die Einrichtung eines regelmäßigen „Frauentreffs“ ist. Es geht darum, die bereits länger beheimateten Frauen mit und ohne Migrationshintergrund in der Orientierung vor Ort und als Sprachmittlerinnen für die geflüchteten Frauen einzubeziehen. „Durch die regelmäßigen Treffen erreichen wir die Migrantinnen und schaffen einen Rahmen, der sie bei ihrer Integration unterstützt und sie in ihrer Eigenständigkeit fördert“, betonte Kurka.

In dieser geschützten Atmosphäre kann dann, gemeinsam mit Einheimischen, die Auseinandersetzung mit der neuen Kultur und dem neuen Leben stattfinden. „Konkret schaffen sich die Frauen dadurch also individuelle Freiräume, Sicherheit und Perspektiven für ihr Leben in Deutschland“, verspricht sich Kurka von diesem Projekt. Stegemann ergänzte, dass diese Förderung neben dem Asylbewerberleistungsgesetz eine sehr unbürokratische Möglichkeiten sei den Integrationsprozess zu unterstützen. „Das Geld kommt hier zur richtigen Zeit zur richtigen Stelle. Insgesamt unterstützen wir mit dem Bundesprogramm das Ehrenamt im ländlichen Raum stärken.“ Unter der Federführung des Kolping Jugendmigrationsdienstes erfolgt die Kooperation mit dem A+W Bildungszentrum, der Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth, dem Flüchtlingskoordinator der Samtgemeinde Sögel und den Fachdiensten des Caritasverbandes Osnabrück, führt der Geschäftsführer Hans-Hermann Hunfeld weiter aus.

Der Vorstandsvorsitzende Wilfried Ripperda berichtete auch über die anderen vielfältigen Aktivitäten. Es geht einmal um die Angebotsabgabe für das Engagement für ein Projekt „Job Coach“ im Landkreis Grafschaft Bentheim. Hierzu wurde von Hans-Hermann Hunfeld das Konzept im Einzelnen ausgeführt. Die Politiker stimmten zu, dass langzeitarbeitslose Menschen über dieses Projekt wieder einen Weg in den regulären Arbeitsmarkt finden könnten. „Wir wollen uns viel intensiver um Langzeitarbeitslose kümmern. Das ist eine Investition in die Zukunft“, betonte Hilbers, der im Kompetenzteam von CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann für den Bereich Soziales zuständig ist.

Ein herausragendes geplantes Vorhaben ist die Bewerbung um die Einrichtung von unabhängigen Beratungsstellen für behinderte Menschen beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Hier geht es darum, dass für Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Beratung für die künftige Lebensperspektive gefördert werden soll. Reinhold Hilbers und Albert Stegemann zeigten sich sehr beeindruckt von der Gestaltung dieser Hilfeplanung für Menschen mit Behinderungen sowie deren Angehörige.

Zudem sei man mit der Werkstatt in Wietmarschen seit vielen Jahren erfolgreich. In der Gemeinde Wietmarschen stattet Kolping zudem Wohnungen für Geflohene mit gebrauchen Möbeln aus und Grünflächen gepflegt. „Ziel ist die Entwicklung der Menschen. Insgesamt können wir so aktuell bei uns 40 Menschen aktiv in Arbeit bringen und halten. So können diese Menschen bei uns in stabilen Strukturen ihr Geld verdienen“, so Hilbers.